Gewinn pro Stunde

55 € Umsatz pro Arbeitsstunde klingt nach viel. Doch was bleibt davon am Ende als Gewinn? Wir rechnen es Schritt für Schritt aus – mit öffentlichen Zahlen und offengelegten Annahmen.

Kurz zusammengefasst
Ein Friseursalon macht im Schnitt 55 €/Std Umsatz (brutto) – vor allen Kosten.
Nach Umsatzsteuer, Personal, Material und Gemeinkosten bleibt ein Betriebsergebnis von rund 9–10 €/Std (grob 5–10 €, je nach Salon).
Zieht man einen fairen eigenen Unternehmerlohn ab, liegt der echte Gewinn oft nahe null.
Das liegt in der Größenordnung des in der Branche genannten Durchschnittsgewinns von rund 20 %.

Von 55 € Umsatz zum Betriebsergebnis

Ausgangspunkt ist der durchschnittliche Stundenumsatz eines Friseursalons: rund 55 € brutto je Arbeitsstunde (Quelle: branchenpuls.de, Friseur, 2026). „Brutto" heißt: vor Umsatzsteuer und vor allen Betriebskosten. Rechnen wir die üblichen Kostenblöcke ab:

Umsatz brutto je Arbeitsstunde55,00 €
− Umsatzsteuer (19 %)−8,78 €
= Nettoumsatz46,22 €
− Personal (Angestellte, ca. 47 %)−21,72 €
− Material (ca. 10 %)−4,62 €
− Gemeinkosten: Miete, Energie, Versicherung, Steuerberater, Marketing (ca. 22 %)−10,17 €
= Betriebsergebnis vor Unternehmerlohn≈ 9–10 €/Std

Modellrechnung mit branchenüblichen Kostenanteilen (auf Basis amtlicher Strukturdaten des Statistischen Bundesamtes und Fachquellen), fortgeschrieben auf heutige Löhne (Mindestlohn 2026: 13,90 € + ca. 22 % Lohnnebenkosten). Materialanteil als Prozent vom Umsatz, weil direkt proportional. Ergibt rund 21 % Marge; einzelne Salons liegen je nach Miete, Löhnen und Auslastung zwischen etwa 5 und 10 €/Std.

Der ehrliche Haken: der Unternehmerlohn

Die rund 9–10 €/Std sind das Ergebnis bevor sich der/die Inhaber:in selbst einen Lohn zahlt. Und genau das ist der Punkt, den Betriebswirte betonen: Der eigene Lohn (die „Privatentnahmen") muss als Kosten mitgerechnet werden – sonst rechnet sich der Salon arm. Setzt man für die eigene Vollzeit-Arbeit einen fairen Meisterlohn an, schrumpft der echte Gewinn schnell auf nahe null. Viele Salons erwirtschaften nach eigenem Lohn faktisch keinen oder nur einen minimalen Gewinn.

Beispiel Solo-Chefin ohne Angestellte: Bei rund 4.000–4.500 € Nettoumsatz im Monat bleiben nach Material und Gemeinkosten grob 2.500–3.000 € übrig. Klingt nach Gewinn – ist aber der Lohn für ihre eigene Vollzeit-Arbeit, kein Gewinn obendrauf.

„Dann mache ich es doch allein – dann gehört alles mir?"

Ein naheliegender Gedanke – aber ein Trugschluss. Alle Zahlen oben gelten pro Arbeitsstunde. Angestellte machen den Stundenwert nicht schlechter – sie bringen zusätzliche verkaufbare Stunden. Lässt man sie weg, verschwindet also nicht der schlechte Teil, sondern schlicht ein großer Teil der Stunden, in denen überhaupt Umsatz entsteht.

Beim Einzelkämpfer bleibt pro Stunde scheinbar mehr übrig – doch das ist kein Gewinn, das ist der eigene Lohn. Man kann nur die Stunden verkaufen, die man selbst am Stuhl steht. Genau diese Eigenarbeit zählt der kalkulatorische Unternehmerlohn als Kosten. Deshalb landen beide Betriebsarten nach fairem eigenem Lohn bei ähnlich dünnem echten Gewinn: mit Angestellten steckt der Lohn im Posten „Personal", allein im Posten „Unternehmerlohn". Verschoben, nicht verschwunden.

Angestellte lohnen sich deshalb nur, wenn sie mehr erwirtschaften als sie kosten (Faustregel „Lohnfaktor": Umsatz je Kraft rund das 3- bis 4-Fache ihres Bruttolohns). Gelingt das, sind sie ein Gewinnhebel – gelingt es nicht, verdienen die Angestellten Geld und der Inhaber trägt vor allem das Risiko. Genau das meinen Praktiker, wenn sie sagen: „Viele Salons rechnen sich arm."

Cross-Check mit der Branche

Unsere hergeleitete Marge vor Unternehmerlohn liegt bei rund 21 % – und damit in der Größenordnung des in der Branche oft genannten Durchschnittsgewinns von etwa 20 %. Auch die Fachplattform friseur-unternehmer.de betont in ihrer Kalkulations-Anleitung, dass der Unternehmerlohn zwingend in die Kalkulation gehört. Weitere Branchenquellen nennen einen Materialanteil von 10–15 % und eine produktive Auslastung von oft nur 60–70 % der Anwesenheitszeit – beides bestätigt die Größenordnung dieser Rechnung.

Was das für die Kassensystem-Wahl bedeutet: Wenn eine Arbeitsstunde nur wenige Euro Betriebsergebnis abwirft, ist jeder Fixkosten-Euro spürbar. Ein Kassensystem für 300 € statt 160 € im Monat kostet – in Betriebsergebnis gerechnet – schnell rund 15 zusätzliche Arbeitsstunden pro Monat. Was euer Setup kostet, zeigt der Preisrechner ›

Quellen: branchenpuls.de (Stundenumsatz & Auslastung Friseur, 2026); amtliche Strukturdaten des Statistischen Bundesamtes zum Friseurgewerbe sowie Fachquellen (u. a. friseur-unternehmer.de) für Kostenanteile, Lohnfaktor und Unternehmerlohn. Das Betriebsergebnis je Stunde ist eine Modellrechnung vor Unternehmerlohn (gerundete Größenordnung); einzelne Salons weichen je nach Miete, Löhnen und Auslastung deutlich ab. Stand 2026.