Ein Kassensystem für den Salon ist eine Entscheidung für viele Jahre – und der Markt ist unübersichtlich: viele Anbieter, viele Zusatzmodule und oft undurchsichtige Kostenstrukturen. Diese Checkliste führt dich Schritt für Schritt durch die wichtigsten Fragen, damit du Termin- und Kassensystem nach den richtigen Kriterien auswählst: von den tatsächlichen Kosten über die Rechtssicherheit bis zum Umstieg ohne Datenverlust. Arbeite sie am besten mit einem konkreten Anbieter im Test durch und hake jeden Punkt ab.
1. Welche Funktionen brauchst du wirklich?
Definiere zuerst deinen Bedarf – und vergleiche dann Anbieter, nicht umgekehrt. So zahlst du weder für ungenutzte Module noch stehst du später ohne eine Kernfunktion da.
✓Muss-Funktionen: digitales Terminbuch, Kasse mit TSE, Kartenzahlung, Kundenkartei und ein sauberer, kontierter Export für den Steuerberater.
✓Sinnvolle Zusatzfunktionen: Online-Terminbuchung, SMS-/E-Mail-Erinnerungen, Warenwirtschaft (wichtig, sobald du Produkte verkaufst), Gutschein- und Trinkgeldverwaltung, Statistiken, Mitarbeiterverwaltung mit Provisionsabrechnung und – bei mehreren Standorten – eine Filialverwaltung.
Praxis-Tipp: Schreib deine 5–10 wichtigsten Anforderungen vorab auf und teste sie konkret an einem typischen Salontag durch (Terminbuchung, Kassiervorgang mit Karte, Storno, Tagesabschluss). Eine günstige Lösung, die deinen Kernablauf nicht sauber abbildet, kostet dich am Ende mehr Zeit und Geld als sie spart.
2. Was kostet das System wirklich?
Der Lizenzpreis ist nur die Spitze des Eisbergs. Vergleiche immer die Gesamtkosten pro Monat inklusive aller Nebenposten – der größte versteckte Block sind meist die Kartenzahlungsgebühren.
✓Lizenz: Grundpreis pro Monat – und ob er pro Mitarbeiter gestaffelt ist oder ab einer bestimmten Teamgröße in eine Flatrate übergeht.
✓TSE: separat berechnet (meist 7–9 € pro Monat) oder bereits in der Lizenz enthalten?
✓SMS & E-Mail: Kosten pro Terminerinnerung und für Marketing-Nachrichten – bei vielen Terminen summiert sich das.
★Kartenzahlung – der Knackpunkt: Wird pauschal abgerechnet (z. B. 1,35 % auf jede Zahlung) oder umsatzabhängig gestaffelt (ab ca. 0,35 % zzgl. einiger Cent pro Transaktion)? Bei höheren Umsätzen ist die Staffelung meist deutlich günstiger. Prüfe zusätzlich: Fallen bei Stornos bzw. Rückerstattungen erneut Gebühren an? Gibt es monatliche Fixkosten oder eine Mindestgebühr fürs Terminal?
✓Neukundenprovision: Verlangt der Anbieter eine Provision auf Buchungen, die über einen Endkunden-Marktplatz vermittelt werden (teils bis 35 % der Erstbuchung)? Das kann der teuerste Posten überhaupt werden.
✓Einmalkosten: Einrichtungs- bzw. Setup-Gebühr (von 0 € bis mehrere hundert Euro) und Schulungskosten.
✓Hardware: Werden dir überteuerte Tablets, Drucker oder Kartenleser „angedreht"? Vergleiche mit den Originalpreisen (ein Kartenlesegerät kostet meist um die 69 €) und vermeide langfristige Leasingverträge, aus denen du nicht mehr herauskommst.
✓Rabatte: Gelten sie dauerhaft oder nur im ersten Jahr? Rechne immer mit dem regulären Preis ab Jahr 2.
Transparenz als Warnsignal: Stehen die Preise offen auf der Website – oder nur „auf Anfrage"? Intransparente Preise bedeuten oft, dass individuell verhandelt wird und du selten den besten Tarif bekommst. Die tatsächlichen Gesamtkosten der gängigen Anbieter rechnest du mit unserem
Preisrechner durch; die Hintergründe dazu findest du unter
Was kostet ein Kassensystem?.
3. Ist das System wirklich rechtssicher?
In Deutschland ist die Rechtssicherheit mindestens so wichtig wie der Preis. Fehler hier fallen spätestens bei einer Kassennachschau auf und können zur Verwerfung der Buchführung und zu Schätzungen führen.
✓TSE nicht nur „vorhanden", sondern korrekt eingebunden: Entscheidend ist, dass jede einzelne Buchung von der TSE signiert wird – nicht nur der Tagesabschluss. Systeme, die lediglich den Kassenabschluss absichern, erfüllen die Anforderungen nicht sauber. Prüfen kannst du das mit unserem
TSE-Check.
✓KassenSichV & GoBD: Erfüllt das System die Kassensicherungsverordnung und die GoBD – inklusive unveränderbarer Aufzeichnung, Belegausgabepflicht und einer Verfahrensdokumentation, die dir der Anbieter bereitstellt?
✓Meldepflicht ans Finanzamt (seit 2025): Elektronische Kassensysteme – auch gemietete oder geleaste – müssen pro Betriebsstätte über „Mein ELSTER" ans Finanzamt gemeldet werden (§ 146a Abs. 4 AO). Neu angeschaffte Systeme sind innerhalb eines Monats nach Inbetriebnahme zu melden. Dafür brauchst du u. a. die Seriennummern von Kasse und TSE – ein guter Anbieter stellt dir diese Daten bereit und unterstützt bei der Meldung (die auch dein Steuerberater übernehmen kann).
✓Server-Standort: Läuft das System in einem deutschen bzw. europäischen Rechenzentrum? Relevant für DSGVO-Konformität und Ausfallsicherheit.
✓DSGVO: Gibt es einen Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV), ein Löschkonzept für Kundendaten und einen nachvollziehbaren Umgang mit Daten?
✓Datensicherheit: regelmäßige, automatische Backups und Schutz deines Zugangs durch Zwei-Faktor-Authentifizierung.
✓Steuerberater-Anbindung: Sind alle Daten inklusive Vorkontierung vorhanden und gibt es einen sauberen Export (z. B. DATEV)?
4. Läuft es zuverlässig im Alltag?
Das beste Funktionspaket nützt nichts, wenn die Kasse im Stress hakt. Teste die Alltagstauglichkeit vor dem Kauf.
✓Ist das System mit deinem vorhandenen Equipment (Drucker, iPad, Laptop, Kartenleser) kompatibel, oder musst du alles neu anschaffen?
✓Läuft es stabil und schnell auf Tablet und Smartphone – auch bei mehreren gleichzeitigen Nutzern an der Kasse und im Terminbuch?
✓Wie schnell ist ein typischer Kassiervorgang inklusive Kartenzahlung? Teste das im Realbetrieb, nicht nur in der Demo.
5. Wie kommst du rein – und notfalls wieder raus?
Ein oft unterschätzter Punkt: Einstieg und möglicher Ausstieg entscheiden über Aufwand, Datenqualität und deine Abhängigkeit vom Anbieter.
✓Testphase: Kannst du das System vor Vertragsabschluss kostenlos und mit echten Abläufen ausprobieren?
✓Datenmigration: Werden Kundendaten, Terminhistorie, Gutscheine und Umsätze aus deinem alten System übernommen – und hilft der Anbieter aktiv beim Umzug?
✓Wechselzeitpunkt: Steig möglichst zum Monats- oder Jahresanfang um. Ein Wechsel mitten im Monat bedeutet zwei Kassensysteme in einer Abrechnungsperiode – unnötiger Aufwand und eine echte Fehlerquelle für die Buchhaltung.
✓Kontierung vorab mit dem Steuerberater abstimmen: Sprich die Kontierung der Kassendaten durch, bevor du produktiv gehst, und schick deinem Steuerberater einen Probe-Monatsabschluss bzw. DATEV-Export aus dem neuen System zum Gegenlesen. So stellst du sicher, dass Konten, Steuersätze und Zahlarten von Anfang an korrekt gebucht werden – Korrekturen im Nachhinein sind aufwendig und teuer.
✓Vertragslaufzeit & Kündigungsfrist: monatlich kündbar oder lange Mindestlaufzeit? Prüfe die Kündigungsfristen!
✓Datenexport bei Kündigung: Kommst du am Ende vollständig an deine eigenen Daten (Kundenstamm, Historie, Umsätze) heran? Fehlt diese Möglichkeit, drohst du im System „gefangen" zu sein.
6. Hilft dir das System, neue Kunden zu gewinnen?
Ein Kassensystem verwaltet nicht nur – es kann aktiv Umsatz bringen. Achte darauf, ob die Marketing-Funktionen echten Mehrwert liefern oder nur auf dem Datenblatt stehen.
✓Online-Terminbuchung rund um die Uhr – auch außerhalb der Öffnungszeiten, wenn Kunden tatsächlich buchen.
✓Eigene Buchungsseite sowie direkte Buchung über z. B. Google.
✓Marktplatz: Bringt der Anbieter aktiv Neukunden – und wenn ja, provisionsfrei oder gegen Provision auf jede vermittelte Buchung? Das macht bei den Kosten einen großen Unterschied.
✓Funktionen für Bewertungen und Weiterempfehlungen, um aus zufriedenen Kunden neue zu machen.
7. Wächst das System mit deinem Salon?
✓Lässt sich unkompliziert ein weiterer Arbeitsplatz oder Mitarbeiter ergänzen – und wie entwickeln sich dabei die Kosten (Staffelung pro Mitarbeiter oder Flatrate ab einer bestimmten Teamgröße)?
✓Gibt es eine Filial- bzw. Kettenverwaltung mit zentraler Auswertung, falls du später einen zweiten Standort eröffnest?
✓Bleibt die Bedienung auch mit größerem Team und mehr Terminen übersichtlich und schnell?
8. Kannst du dich auf Support, Schulung & Updates verlassen?
✓Support-Qualität: Erreichst du echte Fachleute, die dein System kennen – oder eher Vertrieb, der dich zum nächsten kostenpflichtigen Upgrade drängt?
✓Erreichbarkeit & Kosten: Über welche Kanäle (Telefon, E-Mail, Chat), zu welchen Zeiten, mit welchen Reaktionszeiten – und ist der Support kostenlos oder kostet er extra?
✓Updates: Werden regelmäßig Weiterentwicklungen und gesetzliche Anpassungen (z. B. bei TSE-Vorgaben) automatisch ausgeliefert?
✓Schulung & Einarbeitung: Gibt es ein strukturiertes Onboarding (online oder vor Ort), ein Hilfe-Center und Video-Anleitungen? Plane für die Einarbeitung bewusst Zeit ein – oder beschäftige dich selbst intensiv mit dem System, bevor es live geht.
Tipp: Lies die Bewertungen z. B. auf Trustpilot durch – achte darauf, dass die Bewertungen wirklich von Geschäftsinhabern kommen und nicht von Endkunden, die die Online-Terminbuchung bewerten. Lies dir vor allem auch die negativen Bewertungen durch.
Wenn du diese acht Punkte durchgegangen bist, hast du eine belastbare Entscheidungsgrundlage – nicht nur nach Bauchgefühl, sondern nach Kosten, Rechtssicherheit und Alltagstauglichkeit. Vergleiche zum Abschluss die tatsächlichen Gesamtkosten der wichtigsten Anbieter und wirf einen Blick in die einzelnen Anbieter-Steckbriefe, etwa zu studiolution.
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