Kassensystem für Friseure

Welches System passt zum Salon – und was darf es angesichts knapper Margen wirklich kosten? Ehrlicher Vergleich der spezialisierten Anbieter mit echten Zahlen.

Das Wichtigste in Kürze
Ein Friseursalon macht im Schnitt 55 €/Std Umsatz (brutto) – als Betriebsergebnis bleiben davon je nach Salon nur grob 5–10 €/Std (vor eigenem Unternehmerlohn).
Die integrierte Kartenzahlung ist optional, aber sinnvoll – und meist der größere Kostenblock als die Software selbst.
Fünf auf Salons spezialisierte Systeme: studiolution, Salonkee, Planity, Shore, Treatwell.
Gesamtkosten (3 Mitarbeitende, inkl. Kartenzahlung) je nach Anbieter 158–305 €/Monat.
Friseur:in an der Kasse im Salon

Wie viele Stunden arbeitet ein Friseursalon für sein Kassensystem?

55 €
Umsatz je Arbeitsstunde (brutto)
5–10 €
Betriebsergebnis je Std (vor Unternehmerlohn)
79 %
Ø Auslastung (Zeit mit Terminen)

Ein Friseursalon erwirtschaftet im Schnitt rund 55 € Umsatz pro Arbeitsstunde – brutto, also vor Umsatzsteuer, Miete, Personal, Material und Energie. Nach Abzug dieser echten Kosten bleibt als Betriebsergebnis – je nach Salon – nur ein niedriger einstelliger Betrag je Stunde, grob 5–10 € (und nach einem fairen eigenen Unternehmerlohn oft nahe null). Ein Kassen-Setup inklusive Kartenzahlung für rund 158 €/Monat entspricht damit dem Betriebsergebnis aus etwa 15–30 Arbeitsstunden – Monat für Monat. Wie wir auf diese Werte kommen › Was für euren Salon zusammenkommt, rechnet ihr im Preisrechner aus.

Warum bei Friseuren jeder Euro zählt

Das Friseurhandwerk arbeitet mit knappen Margen. Der Stundenumsatz von rund 55 € klingt ordentlich, doch der größte Block ist das Personal: als Arbeitgeber kostet eine Kraft rund 17 €/Std (Mindestlohn 2026: 13,90 € plus rund 22 % Lohnnebenkosten) – dazu Miete, Energie, Material und Umsatzsteuer. Erschwerend kommt hinzu, dass die Arbeitszeit nie voll verplant ist: Im Schnitt sind nur rund 79 % mit echten Terminen belegt, der Rest ist unbezahlte Leerlaufzeit. In dieser Lage ist ein Kassensystem keine Frage von „Hauptsache viele Features", sondern von Preis-Leistung.

Die Neukunden-Falle: warum ständige Akquise teuer ist

49,6 %
Neukund:innen kommen wieder
94,5 %
Bestandskund:innen kommen wieder
Neukund:innen kommen nur halb so oft wieder – und kosten Provision. Der stärkere Hebel ist die Bindung bestehender Kund:innen.

Viele Systeme werben mit „mehr Neukunden über den Marktplatz". Der Haken, den man erst spät bemerkt: Neukund:innen kommen nur zu rund 50 % ein zweites Mal wieder (49,6 %), Bestandskund:innen dagegen zu 94,5 % (Quelle: branchenpuls.de). Wer sein Wachstum vor allem über ständig neue Marktplatz-Kund:innen aufbaut, tritt auf ein Laufband: viel Aufwand, hohe Provisionen, wenig, das bleibt. Der wirtschaftlich richtigere Hebel ist fast immer die Bindung der bestehenden Kund:innen – mit Erinnerungen, einfacher Wiederbuchung und einer eigenen, provisionsfreien Buchungsseite.

Was ein Kassensystem für Friseure leisten muss

Der entscheidende Unterschied zu einer Handels- oder Gastro-Kasse: Im Salon hängen Termin, Leistung und Bon zusammen. Eine reine Registrierkasse kann kassieren, aber kein Terminbuch – und lässt genau den Teil weg, der den Salonalltag ausmacht. Wichtig sind in der Praxis:

Terminbuch + Kasse verzahnt – Termin, Leistung, Bon in einem Fluss
Kasse mit TSE – KassenSichV- und GoBD-konform
Online-Buchung 24/7 – auch über Google & Instagram
Integrierte Kartenzahlung – Beträge fließen automatisch in die Kasse
Kundenkartei & Erinnerungen – für Wiederbuchung
Mitarbeiter & Provision – Auswertung pro Kraft

Die auf Friseure spezialisierten Anbieter

Diese fünf Systeme sind speziell für Salons gemacht – anders als generische Kassen aus Handel und Gastronomie. Beispiel: Salon mit 3 Mitarbeitenden, ca. 14.000€ Umsatz pro Monat und 128 verschickten SMS & 3 Neukunden pro Monat.

AnbieterSoftware*SMS (128 St.)Kartenzahlung**ProvisionGesamt
studiolution45,80 €11,46 €100,84 €158,10 €
Planity99,00 €2,52 €131,10 €232,62 €
Salonkee95,00 €11,52 €131,37 €237,89 €
Treatwell49,08 €132,96 €68,25 €250,29 €
Shore128,90 €12,80 €163,53 €305,23 €

* Software = reine Lizenz inkl. TSE (Jahrestarif). ** Integrierte Kartenzahlung ist optional – wer sie nutzt, spart das manuelle Eintippen am Terminal; die Gebühr ist umsatzabhängig. Salonkee zzgl. 499 € einmalige Einrichtung. Werte aus dem Preisrechner, 2026.

Blendwerkzeuge im Vertrieb erkennen

FOMO (Fear of Missing Out) – künstlicher Druck ist der stärkste Verkaufshebel; auch der Grund, warum manche Anbieter keine Preise zeigen, sondern erst den Kontakt wollen.
Feature-Feuerwerk – lange Funktionslisten beeindrucken; entscheidend ist, was ihr täglich wirklich nutzt.
„Individuelles Angebot" statt offener Preise – erschwert den Vergleich bewusst. Fragt nach der öffentlichen Preisliste.
Neukunden-Versprechen – „Wir bringen euch Kunden" kostet Provision und bindet, wie oben gezeigt, nur schwach.
Hardware-Bundles & Leasing – überteuerte Geräte im Paket oder lange Leasingverträge, aus denen ihr nicht mehr herauskommt.

Kurz: worauf ihr beim Preis achten solltet

Vergleicht nicht den Lockpreis, sondern die tatsächlichen Gesamtkosten pro Monat – Lizenz, TSE, SMS, Kartenzahlung und mögliche Provisionen. Ausführliche Aufschlüsselung unter Was kostet ein Kassensystem?, komplette Auswahlhilfe in der Checkliste.

Häufige Fragen

Was kostet ein Kassensystem für Friseure im Monat?
Für einen kleinen Ein-Personen-Salon schon ab knapp 40 € (reine Software). Mit Kartenzahlung und SMS ca. 94 €, für einen Salon mit drei Mitarbeitenden je nach Anbieter 158–305 € (inkl. Kartenzahlung, TSE, SMS). Die reine Software startet deutlich niedriger – Kartenzahlung ist nie Pflicht.
Wie viel Gewinn bleibt einem Friseursalon pro Stunde?
Im Schnitt macht ein Salon rund 55 € Umsatz je Arbeitsstunde (brutto). Nach Umsatzsteuer, Personal, Material und Gemeinkosten bleibt als Betriebsergebnis nur grob 5–10 €/Std – und nach einem fairen eigenen Unternehmerlohn oft nahe null. Deshalb wiegt bei der Systemwahl jeder Fixkosten-Euro schwer. Die vollständige Herleitung findet ihr hier.
Lohnt sich der Marktplatz für Neukunden?
Nur bedingt: Neukund:innen kosten bei einigen Anbietern Provision und kommen nur zu rund 50 % wieder. Es lohnt sich erst, wenn ihr diese Erstkund:innen zuverlässig zu Stammkund:innen macht – der Marktplatz lohnt also, wenn er nicht nur zur Neukundenakquise dient.
Lohnt sich ein teureres System für einen kleinen Salon?
Teuer heißt nicht mehr Features oder besser. Viel wichtiger ist, dass das System einfach zu bedienen ist, guten Service bietet und den Hauptzweck – Kasse, Termine, Kunden, Mitarbeiter und Steuerberateranbindung – gut erfüllt. Bei knappen Margen zählt jeder Euro Fixkosten.
Woran erkenne ich versteckte Kosten?
Achtet auf Einrichtungsgebühren, kostenpflichtige Zusatzmodule, Provisionen auf Marktplatz-Buchungen und vor allem die Kartenzahlungsgebühr – pauschal oder gestaffelt. Preise „nur auf Anfrage" sind ein Warnsignal.
Quellen: Preisrechner (Stand 2026); branchenpuls.de (Stundenumsatz, Auslastung & Wiederkehrerquote); Betriebsergebnis je Stunde: eigene Herleitung auf Basis amtlicher Kostenquoten (Statistisches Bundesamt). Alle Angaben ohne Gewähr.